Gestern Abend im Faust zu Hannover: Konzert von Mila Mar mit Schneewittchen im Vorprogramm. Was für ein Abend!
Schneewittchen kannte ich bis gestern gar nicht. Ein Duo aus Hannover, das aber eigentlich aus dem Osten stammt (wo es vermutlich auch die ortsüblich sehr gute musikalische Ausbildung genossen hat). Die Sängerin erinnert stimmlich an Tamara Danz und bietet auch eine ähnliche Dynamik - wie sollte sie sich auch sonst ins Vorprogramm von Mila Mar wagen? Kräftiges Make Up, abgehackte Bewegungen, als müsste sie die Totenstarre überwinden, was aber sicherlich auch ihrer Atemtechnik zugute kommt. Was der Elektroniker an ihrer Seite abliefert, geht ziemlich gut ab, erinnert stellenweise an Wolfsheim und steckt voller schöner Rhythmuswechsel, die ambitionierte Tänzer wohl der Verzweiflung, Wurzelschläger wie mich aber der reinen Verzückung nahebringen. Am 16.05.2003, 20:30 Uhr, haben die beiden Premiere im Pavillon. Meines Erachtens ein echter Geheimtipp, und ich habe sogar eine signierte CD bekommen. 
Mila Mar waren gut wie gewohnt. Ich hatte ja so meine Bedenken, weil sich die Gruppe vor einiger Zeit auf ganze zwei Leute verkleinert hat und nun mit Gastmusikern arbeitet, außerdem kannte ich noch kein einziges Stück der neuen CD. Aber sehr schnell lösten sich meine Zweifel in Luft auf, denn der Auftritt war einfach gut. Einige alte Stücke waren spürbar anders instrumentiert. Besonders der Kontrabass war teilweise recht dominant, aber durchaus passend. Man merkt auch, dass die Band mit jedem Jahr ein wenig professioneller wird, was aber nicht unbedingt für die Technik gilt: Ein Basslautsprecher hat zwischendurch angefangen zu rasseln, die Band hat's aber sauber ignoriert und dann eben die basslastigen Flächen etwas zurückgeschraubt - es waren ja auch noch andere Instrumente da, und außerdem könnte Anke notfalls auch ganz ohne Begleitung wunderschön singen.
Tja, die Anke - man könnte meinen, sie hätte die gleiche Typberatung wie Madonna - sie sieht bei jeder Veröffentlichung komplett anders aus. Dieses Mal nicht so brav wie gewohnt, aber immer noch dezent und weiblich genug, um für Überraschung und Gänsehaut zu sorgen, wenn sie von ihrem gewaltigen Stimmumfang Gebrauch macht.
Und Maaf, der Elektroniker und zweite im Bunde der Verbliebenen, war zwar ganz vorne auf der Bühne, aber ansonsten eigentlich voll auf seine Arbeit konzentriert und mit einem leicht unglücklichen Blick behangen, was natürlich an dem rasselnden Lautsprecher neben ihm gelegen haben mag.
An Gastmusikern gab es dann noch eine Drummer, einen Bassisten, und einen Geiger.
Der Bassist hatte ziemlich nette Instrumente dabei, allem voran einen futuristischen Kontrabass. Ich fragte mich die ganze Zeit, wo man so einen Kontrabassisten ausbuddeln kann. Er schien das gebrauchte Make Up von Schneewittchen aufgelegt zu haben und sah auch sonst ganz lustig aus. Laut Pressetext könnte es sich um Moeh von den Inchtabokatables gehandelt haben.
Der Geiger legte stellenweise tierisch los, war ziemklich gut, aber leider etwas ausdruckslos im Auftritt, weshalb er vermutlich weniger Beachtung erfuhr, als seiner musikalischen Leistung gerecht würde. Dem besagtenb Pressetext zufolge könnte das ein gewwisser b.deutung gewesen sein, ebenfalls von den Inchtabokatables und auch von Deine Lakaien schon bekannt. Bin mir aber auch hier nicht bewusst, ihn schon einmal gesehen zu haben, insofern kann's auch jeder andere gewesen sein.
Dem Drummer, der vielleicht Lars Watermann heißt, widerfuhr das gleiche Schicksal wie vielen anderen Drummern auch: Er hat eine klasse Leistung hingelegt und sich sehr verausgabt, aber weil man ihn hinter seiner Schiessbude kaum sehen kann und weil nun einmal jeder auch Anke starrt und nicht auf den Drummer, kann sich vermutlich kaum noch jemand an sein Gesicht erinnern.
Insgesamt war der Abend also gelungen, ich habe mir auch gleich noch die neue "picnic on the moon" gekauft und frage mich seither, warum das Gerücht im Netz verbreitet wird, die CD hätte einen Kopierschutz. Ich konnte die CD problemlos digitalisieren und beim besten Willen keine Abspielsperre entdecken. Vielleicht habe ich auch einfach nur Glück, freue mich aber trotzdem, dass mir das Abspielen auf elektronischen Geräten nicht unnötig erschwert wird.
Tja, wer also noch Gelegenheit hat, Mila Mar auf ihrer restlichen Tour zu sehen und/oder Schneewittchen am 16.05. im Pavillon, dem kann ich empfehlen, das auch zu tun.